Die jüdische Volksschule in München
(Foto: © Stadtarchiv München, DE-1992-JUD-F-0540-02-V)
Kinder der 3. und 4. Klassen mit dem Lehrer Ferdinand Kissinger, 1936/371924 eröffnete in München der orthodox geprägte Verein „Ohel Jakob“ neben der Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße eine jüdische Volksschule. Der Unterricht orientierte sich am staatlichen Lehrplan, ergänzt durch jüdischen Religionsunterricht.
Zunächst besuchten 34 Kinder in vier Klassen die Schule. Bis Januar 1939 stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf mehr als 400 an. Nach den Novemberpogromen 1938, der Beschädigung des Schulgebäudes und der Inhaftierung mehrerer Lehrkräfte im Konzentrationslager Dachau ging die Zahl der Kinder jedoch kontinuierlich zurück. Emigration sowie die ab 1941 einsetzenden systematischen Deportationen führten dazu, dass im April 1942 nur noch 13 Schülerinnen und Schüler in München lebten. Ende Juni 1942 musste der Unterricht infolge des reichsweiten Verbots aller jüdischen Lehranstalten eingestellt werden.
Im Interview: Dr. h.c. Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch (geb. Neufeld) wurde 1932 in München geboren. Auch sie besuchte die jüdische Schüle in München. Ihr erster Schultag war Ostern 1938. Der Schulbesuch dauerte nur kurz: Charlotte Knobloch überlebte den Holocaust versteckt bei der ehemaligen Hausangestellten ihres Onkels in Mittelfranken. An einen Schulbesuch war kaum zu denken. Nach dem Krieg besuchte Charlotte Knobloch die Riemerschmid Handelsschule in München.