Die jüdische Schule in Ichenhausen

Als 1804 die Schulpflicht für jüdische Kinder eingeführt wurde, besaß Ichenhausen weder eine eigene jüdische Schule noch einen jüdischen Lehrer. Deshalb hatten die jüdischen Schülerinnen und Schüler auf Weisung der königlichen Regierung ab 1811 die die öffentliche, katholische Volksschule zu besuchen. Da jedoch beide Seiten den gemeinsamen Unterricht ablehnten, waren weiterhin vor allem jüdische Privatlehrer tätig. Im Herbst 1812 übernahm Wilhelm Strobel den Unterricht der 110 jüdischen Kinder in den weltlichen Fächern. Religion und Hebräisch lehrte zusätzlich der staatlich geprüfte jüdische Lehrer Samuel Salomon.

Der Bau eines geeigneten Schulhauses für die jüdischen Schulkinder verzögerte sich immer wieder, da die Kultusgemeinde die anfallenden Kosten nicht bezahlen wollte. Erst auf wiederholten Druck der königlichen Behörden errichtete die jüdische Gemeinde 1832/33 ein eigenes Schulhaus an der heutigen Herzog-Leopold-Straße. Das Gebäude umfasste zwei Unterrichtsräume sowie vier Wohnungen.

Mitte des 19. Jahrhunderts unterrichteten vier Lehrer bis zu 210 jüdische Schülerinnen und Schüler. Mit der abnehmenden jüdischen Bevölkerung in Ichenhausen ging zugleich ein Rückgang der Zahl der Lehrkräfte einher. Ab 1909 lehrte nur noch Isak Brader (1851–1920). Auf ihn folgten unter anderem Sigmund Hammelburger (1869–1961) und Nandor Fruchter (1908–1971).

Nach der Verwüstung der Synagoge in den Novemberpogromen 1938 nutzte die jüdische Gemeinde das Schulhaus als Gebetsstätte. Der letzte Lehrer an der jüdischen Volksschule war Leo Kahn (1901–1942) aus Gaukönigshofen. Am 12. September 1941 lösten die Nationalsozialisten die jüdische Schule in Ichenhausen per Dekret auf; Grundstück und Gebäude wurden zwangsenteignet.

Am 24. März 1942 wurde Leo Kahn im Alter von 41 Jahren mit seiner Frau Mina und der achtjährigen Tochter Hannelore ins Ghetto Izbica südöstlich von Lublin deportiert. Seither gilt die gesamte Familie als verschollen.

(Foto: © Postkarte zur Stadterhebung 1913. Staatsarchiv Augsburg, BA Günzburg 9558)

Die jüdische Schule in Ichenhausen vor 1906

DAS Klassenfoto

Das Ichenhausener Klassenfoto von 1928

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Lehrerschaft an der jüdischen Schule

Ein Lehrerehepaar im 19. Jahrhundert

Koppel und Rebekka Ullmann

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